Vom Chicken Rice zurück zum Fischbrötchen

Die Zeit rast, wenn man Spaß hat. Und Spaß hatten wir wirklich in den letzten drei Jahren. Doch nun sagen wir adieu und kehren nach Deutschland zurück.

Danke an alle, die uns beim Brunch so rührend verabschiedet haben. Danke an meine Kollegen im Paulaner Bräuhaus, die uns bis in den Abend hinein versorgt und mich zwischendurch zum Heulen gebracht haben. Ich hatte mich so gut im Griff, aber mit Torte und Musik kamen dann doch die Tränen.

Wir hatten gehofft, eher Abschiedspartys zu besuchen, anstatt selbst eine zu geben. Aber nun ist unser Container gepackt und auf dem Weg nach Hamburg und wir sind schon seit einer Woche wieder in der schönsten Stadt der Welt, wie sie sich nennt. Stimmt auch bei gutem Wetter. Nur dummerweise ist es sehr kalt, grau und regnerisch in den letzten Tagen.

Unwichtig, denn es gibt genug zu tun, wobei die größte Herausforderung bereits bewältigt ist: Wir haben es geschafft, nach nur zwei Besichtigungstagen eine Wohnung zu mieten. Das sind singapurische Verhältnisse! In der Singapurstraße zu wohnen liegt leider über unser Budget. Stattdessen haben wir uns für das pure Hamburg entschieden. Ab August geht es nach St. Pauli. Wir sind sehr gespannt auf das neue Leben und ich bin sicher, dass ein paar bunte Geschichten für diesen Blog herauskommen werden. Denn Singsling gibt es ja überall, auch in Hamburg!




Kamm und Schere – koreanische Haarmode

Haareschneiden in Singapur ist oft mit Überraschungen verbunden. Wenn dann auch noch eine Blondfärbung dazu kommt, wird es echt eng was ein zufriedenstellendes Ergebnis angeht. Ich habe zum Glück gleich zu Anfang unserer Auslandszeit meine „Haarkünstlerin“ Angela gefunden, die mich nie enttäuscht hat.

Am Montag habe ich mit Marion eine Friseursalon-Eröffnung besucht. Sozusagen zwei langnasige Blondinen unter Asiaten. Denn ab sofort wirbeln die Südkoreaner den singapurischen Markt auf und haben eine Franchisefiliale der Haarkette JUNO in Bugis eröffnet. Die Einrichtung ist typisch asiatisch. Das bedeutet nicht, chinesische Antiquitäten aufzustellen, sondern ist der Versuch, sehr modern zu sein. Auf den ersten Blick gelungen, der zweite Blick fällt auf die gebrauchten Möbel und den Fußboden hätte man auch bearbeiten können. Dafür machte mein deutsches Herz einen freudigen Sprung, als ich Produkte von Goldwell in den Regalen sah, womit das Ambiente plötzlich ganz egal wurde.

Außerdem wird eine lustige und fähige Truppe von Singapurern die Scheren in dem Salon mit fünf Plätzen wetzen: Valerie Koh, Jeffrey Mok und Calvin Chua haben sich auf der Eröffnungsparty vorgestellt und wirkten ausgelassen aber dabei sehr professionell, eine angenehme Mischung. Calvin hat mir versichert, dass er sich mit seiner langen Erfahrung auf alle Kundinnen einstellen kann: „Hier soll jeder seinen eigenen Stil finden und ausleben. Wir unterstützen gerne dabei.“

Mit 148 Salons in Südkorea und 2500 Mitarbeitern gehört JUNO Hair zu den Trendsettern in der südkoreanischen Haarindustrie und präsentiert zweimal im Jahr die neuesten Looks der Saison. Bleibt also abzuwarten, was sich in dem 1700 Quadratmeter großen Salon an der 166B Rochor Road alles tun wird, denn als großartige Hair-Fashionistas sind mir die Singapurer bisher nicht aufgefallen. Nun kann sich das bessern!

Juno Hair Singapore | 166B Rochor Road | Singapore 188441 | Tel +65 6255 1132

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Ein Sonntag in Singapur

Was macht man an einem faulen Sonntag in Singapur? Wir wohnen zentral am Rande des Central Business District und brauchen nur um die Ecke zu gehen, um rauszukommen ohne dass es langweilig wird.
Zum Beispiel in den Fort Canning Park auf dem Bukit Larangan, auf dem Stamford Raffles 1823 sein Haus erbaute. Ein sehr kleines Haus, was aber nichts damit zu tun hat, dass Raffles noch im selben Jahr nach London zurückkehrte.

Am Park angekommen, quetschen wir uns an einen Bauzaun vorbei zu den Treppenstufen. Hier wird tatsächlich eine Rolltreppe errichtet. Nachdem wir uns darüber ausgelassen haben, was für ein Blödsinn das doch in einem Park sei, sind wir nach ein paar Stufen durchgeschwitzt und traurig, dass die Rolltreppe noch nicht fertig gestellt ist. Sobald man ein wenig von grüner Natur umgeben ist, schlägt die Luftfeuchtigkeit gnadenlos zu. Oben angekommen muss ich an anderer Stelle wieder hinunter, um in die Battle Box, einem Bunker aus dem 2. Weltkrieg, zu schauen.

Angenehm kühl ist es dort, aber wir lassen die Besichtigung aus und gehen weiter.

Nämlich wieder hoch zu den ehemaligen Soldatenunterkünften, die heute ein Museum beherbergen. Und auf der anderen Seite erneut hinunter, zum Keramat (Schrein) von Iskandahar Shah, einem der letzten Könige von Singapur. Das ist nicht der König, der den Tiger mit einem Löwen verwechselte, sondern einer seiner fünf Nachfolger.


Weiter geht es zum alten Leuchtturm neben Raffles’ Haus. Wir bleiben stehen und schauen zwischen den Wolkenkratzern aufs Meer.

 

 

Ich bin schon ziemlich geschafft und werde müde, wahrscheinlich angesteckt vom Anblick der Nachmittagsschläfer vor Raffles’ Eingangstür.

 

Der Fußweg ist auch nicht frei. Aber man bettet sich halt dort, wo Schatten fällt.

Beim Abstieg wird mir ein Eis am Clarke Quay versprochen.

Diese Brückenüberquerung ist Neuland für mich, hier bin ich noch nie drüber gelaufen.

 

Noch ein Blick aufs Marina Bay Sands, ich werde mich nie an diesem Gebäude sattsehen, es ist einfach zu cool!
Nun ab nach Hause, der Schokokuchenrest vom letzten Dinnerabend wartet im Kühlschrank. Vorher noch zur Abkühlung einen Sprung in den Pool, dann wird das Ende vom Wochenende eingeläutet.




Baba House: Das blaue Wohnhaus einer Peranakan-Familie

Stilvolle Gebäude mit durchdachter Architektur für die heißen Tropen, künstlerische Batiktextilien, kunterbuntes Porzellan und die beste Küche der Welt: Das sind Merkmale der chinesischen Peranakans, auch Babas genannt. Chinesische Händler kamen bereits ab dem 14. Jahrhundert nach Malakka (im heutigen Malaysia), um Geschäfte zu machen. Einige blieben, heirateten malaiische Frauen und gründeten Familien. Aus den Männer wurden Babas und die Frauen wurden Nonyas genannt.

Die faszinierende Kultur dieser Mischehen begegnet mir nun sei drei Jahren tagtäglich auf den Straßen. Nach der Gründung des modernen Singapur durch Stamford Raffles im Jahr 1819 kamen die Babas in die Stadt, um ihren Handel auszubauen. Sie lebten in „Terraced Houses“, heute würden wir „Reihenhaus“ dazu sagen. Aber der Vergleich hinkt. Die Shophäuser der Chinesen haben es mir sowieso angetan, aber mein Besuch im 1895 erbauten Baba House in der 157 Neil Road im Stadtteil Tanjong Pagar war wirklich beeindruckend.

 

Stammsitz der Familie Tan

Das Anwesen einer Reederfamilie wurde 2006 von der National University of Singapore (NUS) erworben und in ein Museum umgewandelt. Eigene Fotos sind nur von außen erlaubt, aber das Buch „NUS Baba House – Architecture and Artefacts of a Straits Chinese Home“ gibt einen sehr guten Einblick und erklärt viele interessante Einzelheiten der Renovierung des Hauses im Jahr 2007. Nur nach Voranmeldung darf das Haus in Gruppen bis zu zehn Personen besichtigt werden. Unser Tourguide gehört selbst zu den Peranakans, musste aber zugeben, keine chinesische Schriftzeichen lesen zu können: „Ich wurde in einem Haus hier um die Ecke geboren. Meine Familie hat mich zu gut integriert, manchmal finde ich es schade.“

Die Vorbesitzer des Baba House waren sehr vermögend und die Lage des Hauses zwischen Chinatown und dem Hafen hat wohl einiges dazu beigetragen. Nach Übertreten der Eingangsschwelle findet man sich in der mit pompösen Holzsesseln und wertvollen Möbeln ausgestatteten Empfangshalle. So wurde dem Besucher von damals rasch klargemacht, dass er es nicht mit einer einfachen, armen Familie zu tun hat.

 

Ein heimlicher Blick auf den zukünftigen Ehemann

Shophäuser sind allgemein schmal, aber lang nach hinten angelegt. Die Türen sind eher Pforten und lassen den Wind zur Abkühlung durchs Haus streifen. Dazu hat jedes Haus einen offenen Bereich in der Mitte ohne Dachbedeckung. Hier fällt der Regen hinein und wird unten in einem großen Becken aufgefangen. Nicht nur hilfreich zur Klimatisierung des Hauses, sondern auch schön anzusehen.

Noch weiter hinten verbirgt sich die Küche und dann geht es weiter in das Obergeschoss. Hier gibt es nur zwei Schlafzimmer, obwohl bis zu zwölf Personen in dem Haus lebten. Geschlafen wurde auf dem Boden wo sich Platz geboten hat. Im Fußboden eines Raumes über den Eingangsbereich befinden sich kleine Löcher. Groß genug, dass die Töchter des Hauses sich ihre zukünftigen Ehemänner heimlich vorab ansehen konnten. Die jungen Männer wurden traditionell von den Eltern auserwählt und mussten diesen natürlich ihre Aufwartung machen. Ein Vetorecht hatten die Mädchen nicht, aber gucken wollte man schon.

Ein Part der Geschichte Singapurs, die viele Spuren hinterlassen hat

Obwohl nur ein Prozent der Bevölkerung zu den chinesischen Peranakans gehören, sind die Wurzeln und Gepflogenheiten jedem bekannt und es gibt außer dem Baba House noch viele andere Anlaufstellen und Museen zu dem Thema. Das Peranakan Museum in der Armenian Street ist leider bis 2020 wegen Renovierung geschlossen, aber jede andere Anlaufstelle wie der Emerald Hill an der Orchard Road, das Viertel Katong mit seiner Joo Chiat Road oder dem Katong Antique House von Peter Wee geben faszinierende Einblicke in diese zu recht erhaltene Kultur.

Baba House | 157 Neil Road | Singapore 088883

Dienstag bis Freitag 10 Uhr, Eintritt S$ 10

Tourbuchung unter Peatix.com

 

 




EUFF: 27 Europäische Filme in der National Gallery Singapore

Die alljährliche Medienkonferenz zum Europäischen Filmfestival stand heute an. Bereits zum 29. Mal läuft in diesem Jahr das European Union Film Festival (EUFF). Vom 10. bis zum 19. Mai werden in der National Gallery Singapore 27 zeitgenössische Filme gezeigt, die Europa in allen Facetten mit seiner Geschichte und Kultur repräsentieren. Eine Übersicht aller Filme gibt es auf www.euff.sg.

Als featured country eröffnet Rumänien in diesem Jahr das Festival mit dem Film Beside me. Die Geschichte handelt von mehreren Passagieren, die in einer U-Bahnstation eingesperrt sind. Einander fremd und auf unterschiedlichen Wegen unterwegs sowie mit unterschiedlichen Problemen belastet, rücken sie ungewollt einander näher. Beside me zeigt uns, dass auch Fremde Gemeinsamkeiten haben, die uns zusammenbringen. Eine Erkenntnis, der man sich im aktuellen „Vereinten Europa“ intensiv widmen sollte.

Bei der Medienpräsentation im Auditorium der National Gallery habe ich Diana Zahorte, Deputy chief of Mission von der rumänischen Botschaft getroffen und sie hat den Film natürlich schon gesehen: „Wir wollten einen Film mit einer positiven Story, der allen Zuschauern gefällt. Sie sollen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.“ Vierhundert Rumänen leben in Singapur und sicher wird der Großteil von ihnen am 10. und 12. Mai bei den Vorführungen dabei sein. Sie können sich auf ein Stückchen Heimat freuen, denn der Film ist mit bekannten rumänischen Darstellern besetzt. Als Schmankerl obendrauf hat Diana Zahorte heute verkündet, dass der Regisseur Tedy Necula bei der Eröffnungsfeier am 10. Mai in Singapur dabei sein wird.

Ganz so spektakulär wird es für die Deutschen in diesem Jahr nicht. Im vorletzten Jahr konnte Deutschland als featured country den Titeldarsteller von Tschick in Singapur begrüßen. Darauf folgte im letzten Jahr als Beitrag das Drama „Grüße aus Fukushima“ von Doris Dörrie und 2019 gehen die Deutschen mit der Komödie Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt an den Start. Als Techno-Road-Movie angekündigt, geht es um den Techno-Boom nach der deutschen Wiedervereinigung. Detlev Buck und Charly Hübner stehen auf der Besetzungsliste und damit ist für mich schon klar, dass ich am 17. Mai um 21 Uhr im Kino sitzen werde. Tickets gibt es unter sistic.com




Straßenkunst im hippen Tiong Bahru

Mal eben ein Graffiti sprühen ist in Singapur strengstens verboten, auch Deutsche wurden dafür schon mit Peitschenhieben bestraft. Doch Street Art ist erwünscht und gehört inzwischen zur Kultur dazu, allerdings nur mit Genehmigung und auf ausgewiesenen Plätzen.

Mein Interesse an dieser Kunstrichtung wurde geweckt, als im ArtScience Museum eine wunderbare Ausstellung über Street Art eröffnet wurde. Die internationalen Künstler haben eine große Bandbreite an Stilen präsentiert und nun schaue ich mich immer wieder um, was auf der Straße so alles zu finden ist. Mit der Sprühdosen-Kunst der 80er Jahre haben die Malereien auf den Wänden in verschiedenen Stadtvierteln nämlich nichts zu tun. Wirkliche Kunstwerke zeigen alte Traditionen und Gewohnheiten und es lohnt sich, bei einem Spaziergang genau darauf zu achten. Heute habe ich mich in Tiong Bahru auf die Pirsch gegeben und bin den Spuren des Singapurers Yip Yew Chong gefolgt.

Die bekannteste Wandszene ist wohl Bird Singing Corner in der Seng Poh Lane, Block 71. Kopi – also local coffee – schlürfend sitzen die uncles (wer das 40. Lebensjahr erreicht hat, muss damit leben von Jüngeren so genannt zu werden) unter ihren Vogelkäfigen. Vor Jahren war dieses noch ein normales reales Bild und ist unbestritten ein wichtiger historischer Bestandteil dieses Stadtteils: Die uncles haben ihre Vögel gemeinsam singen lassen, damit diese untereinander voneinander lernen. Es gibt noch heute einen anderen Platz etwas außerhalb, an denen richtige Sing-Wettkämpfe stattfinden.

Der Begriff “Home” hat in Tiong Bahru eine besondere Bedeutung, weil die Art-Déco-Bauten zu den ersten öffentlich geförderten Wohnhäusern gehören. Als Szene-Viertel hat der Stadtteil nun gegen die horrend steigenden Mieten zu kämpfen. Wer neu hierherziehen möchte, muss einiges an Miete auf den Tisch legen – wenn er sich den dann noch leisten kann. Für das Bild Home, zu finden Tiong Poh Road/Eu Chin Street, Block 74, hat Yip Yew Chong das Wohnzimmer seiner Kindheit nachgemalt. Auf seiner Webseite yipyc.com schreibt er, dass seine Familie im Jahr 1977 das erste Sofa und ein Telefon anschaffen konnte: „Das Sofa ersetzte die klapprigen Holzstühle und Hocker, die im Wohnzimmer verstreut waren.“ Chong ist kein hauptberuflicher Künstler aber seit seiner Kindheit ein passionierter Hobbymaler. Einen Beruf wollte er nie daraus machen. Der Wirtschaftsprüfer hat einen großen Teil seiner Kindheit auf den Straßen von Tiong Bahru verbracht und hat dabei bestimmt auch einen der vielen Wahrsager von damals getroffen.

Fortune Teller in der Eng Watt Street Block 73 bestand ursprünglich aus zwei Wandbildern, die während der Konzeptualisierung zu einem gemacht wurden. Der „Pasar“ (malaiisch für Markt) wurde mit dem „Fortune Teller“ kombiniert, um die Kosten zu senken. Den Wahrsager gab es wirklich und er saß neben dem Marktplatz, der einen wichtigen zentralen Punkt in Tiong Bahru darstellte.

Die Atmosphäre muss eine besondere im Tiong Bahru der vergangenen Zeit gewesen sein, die Ausläufer davon sind noch zu spüren. Natürlich gibt es die hippen Bars und teuren Geschäfte, aber wer nach einem Besuch des Wet Market sich die Zeit nimmt durch die Gassen zu streunern, einen Kopi auf der Straße trinkt, in einem der lokalen Restaurants isst oder seine Schrauben und Werkzeug in einem der alten Geschäfte kauft, der ahnt, wie es hier einmal gewesen sein muss.




Designermesse

Außergewöhnliche Designerkleidung, Schmuck, Haushaltsartikel, Dekoration und alles was das leben schöner macht, ist zwei Mal im Jahr bei der Boutique Fairs im F1 Pit Building zu finden.

Wo sonst Vettel und Konsorten jedes Jahr im September ihre Fahrerlager aufschlagen, findet an diesem Wochenende wieder die Frühlingsveranstaltung der Boutique-Messe in den Stockwerken über der Boxengasse statt.

300 Designer und Marken bieten ihre Kollektionen auf 6000 m² an, und kaum jemand geht ohne gefüllte Einkaufstasche nach Hause. Man ahnt ja gar nicht, was man alles noch nicht hat und unbedingt eventuell irgendwann gebrauchen kann!

Auch ich habe zugeschlagen und ein Buch erstanden, das schon lange auf meiner Liste steht. Es handelt sich um ein Kochbuch des Internationalen Kochclub Singapur (ICCS). Eine private Aktion einer Expat-Lady, an der mittlerweile über 600 Frauen beteiligt sind. Feste Gruppen treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Kochen, die Gastgeberin gibt die Rezepte – meist aus ihrem Heimatland – vor. Ich bin aus Zeitgründen leider nie dabei gewesen, aber meine Kollegin Nadine schreibt in ihrem Blog Singapurhochdrei regelmäßig über ihre kulinarischen Erlebnisse.

Ich freue mich total über dieses besondere Singapur-Erinnerungsstück, zumal auch ein Rezept einer anderen Kollegin im „The Red Dot Melting Pot Cookbook“ zu finden ist. Christiane: Ich brauche noch ein Autogramm auf die Schwarzwälder Kirschtorte!

Das war es leider mit meiner Ausbeute. Die Schuhe waren zu klein, Bikinis wollte ich nicht anprobieren und Taschen habe ich schon so einige. Im Herbst kommt die nächste Boutique Fairs, vielleicht bin ich dann mal großzügiger zu mir selbst.

Wer morgen, am Sonntag, 31.03.2019, noch hingehen möchte:

F1 Pit Building
1 Republic Boulevard
Singapore 038975
Level 2 & 3

10 bis 18 Uhr

 

 




Tekka Market in Little India

Little India ist ein Viertel mit ganz eigenem – eben indischen – Charakter. Wer keine Zeit für einen ausgiebigen Rundgang hat, sollte sich auf den Tekka Market konzentrieren. Unter einem Dach sind hier seit 1982 der Wet Market, ein Hawker Centre und im Obergeschoß etliche Stände für Kleidung und Stoffe vereinigt.

Wet Market Jede Sorte an Fleisch, zahlreiches asiatisches Gemüse sowie Fisch und Meeresfrüchte werden in der Markthalle im Erdgeschoss angeboten. Es ist empfehlenswert, den Einkauf morgens zu erledigen, denn ab mittags riecht es schon sehr unangenehm.

Ich habe bisher wenig dort eingekauft, denn es sieht alles zwar interessant, aber nicht einladend aus. Nur für Curry ist dieser Markt mein absolutes Muss, denn es ist einfach das beste.  Jedes Mal freue ich mich über das Streifenmuster, wenn der Händler die unterschiedlichen Pulverfarben in die Tüte gibt. Einmal habe ich ihn gebeten, nicht zu schütteln, weil es so schön aussieht. War natürlich totaler Quatsch, zu Hause angekommen ist es halt gelbes Curry.

 

Hawker Wie in allen Hawker Centern der Stadt, ist das Angebot auch hier nicht regional begrenzt. Neben indischen und anderen asiatischen Leckereien gibt es sogar westliches Essen, aber wer will das schon? An der Schärfe der Gerichte ist leicht erkennbar, wo wir uns befinden. Ich bin immer wieder erstaunt, was „not spicy“ für Inder bedeutet. Jedenfalls habe ich immer eine Flasche Wasser und ein Tuch, um die Stirn abzuwischen, dabei.

 

Kleidung Wer einen Sari sein Eigen nennen möchte, ist im Obergeschoss am richtigen Platz. Dieses Traditionsgewand braucht man nur selten, es sei denn, man ist zu einem indischen Motto eingeladen. Aber die Auswahl ist so ansprechend, dass man unbedingt einen haben möchte. So geht es Hamburgern, wenn sie in Bayern ein Dirndl sehen. Am Elbstrand wird dann klar, was für eine Schnapsidee der Kauf war. (In Singapur macht das Dirndl für Nordlichter allerdings absoluten Sinn!)

Die Textil-Beratung im Tekka Market kann sehr unterhaltsam sein, aber nicht immer hilfreich. Wenn Knopf oder Reißverschluss sich schließen lassen, passt das Gewand. Unwichtig, wie breit, kurz oder lang der Schnitt ausgefallen ist: „You see, it’s perfect for you!“

Es gibt auch andere wunderschöne Kleider, Blusen und Anzüge, sowohl für Erwachsene wie auch für Kinder. Die Accessoires und Schuhe sind die reinste Glitzerpracht und die verspielten Haarspangen verlangen Mut und Selbstbewusstsein. Aber es macht einen heiden Spaß, durch die Gänge zu schlendern und sich alles anzugucken. Die Schneider sitzen konzentriert vor ihren ratternden Nähmaschinen und die Verkäuferinnen sind sehr hilfsbereit – wenn sie nicht gerade eine Nachricht auf ihrem Handy erhalten. Das hat absoluten Vorrang, ist aber überall sonst in der Stadt genauso.

 

Tekka Market, MRT Little India

 

 




Minimalism: Space. Light. Object.

Der Minimalismus war ein radikaler Wendepunkt in der Kunstgeschichte und gilt als Reaktion auf den abstrakten Expressionismus. Während bei Letzterem ein hohes Maß an Interpretation nötig ist, entstand im New York der 1960er Jahre der Minimalismus mit Reduzierung auf das Nötigste, um eine direkte Begegnung von Kunstobjekt und Betrachter zu schaffen. Das lässt trotzdem noch viel Platz für Eigeninterpretationen und das Motto von Frank Stella „What you see is what you see“ kann nicht bei allen Kunstwerken einfach umgesetzt werden.

Sunflower Seeds von Ai Weiwei

Ai Weiwei, der wohl bekannteste Künstler der Ausstellung, veweist mit seinem Werk auf die unzähligen Arbeiter, die in Massenproduktionen chinesische Billigware herstellen. Die Sunflower Seeds des gleichnamigen Werks von 2010 wurden in der Porzellanstadt Jingdezhen von Keramikhandwerkern hergestellt und sind jeder für sich einzigartig.

Milchstein von Wolfgang Laib

Bei dem Deutschen Wolfgang Laib und seinem Milchstein von 1980 geht es um Rituale und Meditation. Meditation, während in dem viereckigen Marmorstein eine Vertiefung geschliffen wird, um diese in einem täglichen Ritual mit neuer Milch zu füllen. Dadurch entsteht eine glänzende Oberfläche die Raum für Reflektionen schafft. Ob für Kunst wirklich täglich frische Lebensmittel verwendet werden sollen, muss jeder für sich selbst entscheiden, ich halte nichts davon.

Impenetrable von Mona Hatoum

Impenetrable von Mona Hatoum hat mir am besten von den mehr als 100 Ausstellungsstücken gefallen. Mit etwas Abstand wirkt die Installation, als würde sie zu sich einladen und man könnte in ihr spazieren gehen. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich die herabhängenden Stäbe jedoch als Stacheldraht. Mona Hatoum stellt so das Potential von Spannung und Gewalt im Alltag dar und dass man diese oft nicht auf den ersten Blick erkennen kann. Von der Message abgesehen, sieht die 27 m³ große Installation beeindruckend aus: als würde sie im Raum schweben.

 

Noch bis zum 14. April 2019 läuft die Ausstellung über Minimalismus in Singapur in zwei Museen: in der National Gallery und im ArtScience Museum.




Raus aus Singapur: Bintan

Bintan ist das Paradies für Golfer, aber auch Strandliebhaber kommen auf ihre Kosten. Nur eine kurze Fahrt mit der Fähre von Singapur entfernt wird das Wochenende zum Kurzurlaub.

Singapur hat ungefähr die Flächengröße von Hamburg und bietet ebenfalls eine Menge an Ausflugszielen außerhalb der Stadt. Der Unterschied: Von Hamburg an die Ostsee fährt man über die Autobahn, von Singapur „aufs Land“ überquert man die Landesgrenze. Dazu ist Singapur eine Insel. Wer also nicht über die Brücke nach Johor Bahru fährt und auch kein Flugzeug nutzen will, muss eine Fähre nehmen. Am besten gleich auf eine andere Insel. Täglich gibt es 16 Routen nach Bintan in Indonesien, die zwischen einer und zwei Stunden dauern, wir sind vom Tanah Merah Ferry Terminal losgefahren. Da wir mit Dirks German Swiss Golf Club unterwegs waren und ein Package gebucht hatten, wurden die Zollformalitäten sehr schnell für uns erledigt und wir stiegen bequem am Terminal in den Bus, der uns ins Bintan Lagoon Resort brachte.

Mit Zimmerblick auf das südchinesische Meer wollte ich gleich meinen neuen Badeanzug an den Strand ausführen, doch die Golfertruppe musste auf den Platz – der zum Hotel gehört. Auch gut. Wir waren zwei Nichtgolferinnen (eine konnte es noch nie und die andere war verletzt – der Esel nennt sich immer zuerst …) und haben uns einen gemütlichen Nachmittag auf der überdachten Terrasse gemacht wobei die Getränkekarte eingehend durchprobiert wurde. Das mit dem Pimm‘s wurde schwierig und OiLeng hätte sich beinahe selbst hinter die Bar gestellt. Würde ihr aber verwehrt. Dafür wurde ihren Anweisungen nach und nach doch Folge geleistet und nach vier Versuchen waren die Drinks perfekt. Danach haben wir es bei Bier belassen, man muss auch mal entspannen.

Das Turnier um die neu ausgerufene Dieter-Gumpert-Trophy hat am zweiten Tag auf einem anderen Platz stattgefunden. Dieter Gumpert war lange Leiter des Golfclubs (neben seinen vielen anderen Ämtern, unter anderem war Dieter langjähriger Präsident des deutschen Clubs, Mitgründer der deutschen Schule und ehemaliger Berater der deutsch singapurischen Handelskammer). Er war auch als Golfnarr bekannt, wollte allerdings „am liebsten nur auf den Platz und Bälle schlagen“, wie mir seine Frau OiLeng beim Pimm’s erzählte. Driving Range und Trainerstunden waren nicht so sein Ding, das war ihm nicht gesellig genug. Nach seinem Tod im vergangenen Herbst ist eine große Lücke in der deutschen Community Singapurs entstanden und ich finde dieses Turnier in seinem Geburtsmonat eine schöne Idee.

 

 

Weil Dirk sich am ersten Tag am Arm verletzt hatte, konnte er das Turnier leider nicht mitspielen. So hatten wir zusammen Gelegenheit, meinen Badeanzug am Meer zu präsentieren. Leider mussten wir schon bald vor den Sandfliegen fliehen.

 

Später sind wir mit einem Buggy den Golfplatz Ria Bintan abgefahren und haben den anderen beim Spielen zugesehen. Was für eine wunderschöne Anlage! Zum Lunch sind alle im offenen Klubhaus zusammengekommen und nach dem Essen fand die feierliche Siegerehrung statt. Die Gewinner des Tages waren Christine & Thomas Peter. Aber nur zum Gewinnen ist niemand angereist. Es war ein sehr schönes Wochenende bei herrlichem Wetter mit vielen netten Menschen, noch mehr Sonnenschein und lustigen Gesprächen – ein gelungenes Wochenende vor den Toren Singapurs.