Baba House: Das blaue Wohnhaus einer Peranakan-Familie

Stilvolle Gebäude mit durchdachter Architektur für die heißen Tropen, künstlerische Batiktextilien, kunterbuntes Porzellan und die beste Küche der Welt: Das sind Merkmale der chinesischen Peranakans, auch Babas genannt. Chinesische Händler kamen bereits ab dem 14. Jahrhundert nach Malakka (im heutigen Malaysia), um Geschäfte zu machen. Einige blieben, heirateten malaiische Frauen und gründeten Familien. Aus den Männer wurden Babas und die Frauen wurden Nonyas genannt.

Die faszinierende Kultur dieser Mischehen begegnet mir nun sei drei Jahren tagtäglich auf den Straßen. Nach der Gründung des modernen Singapur durch Stamford Raffles im Jahr 1819 kamen die Babas in die Stadt, um ihren Handel auszubauen. Sie lebten in „Terraced Houses“, heute würden wir „Reihenhaus“ dazu sagen. Aber der Vergleich hinkt. Die Shophäuser der Chinesen haben es mir sowieso angetan, aber mein Besuch im 1895 erbauten Baba House in der 157 Neil Road im Stadtteil Tanjong Pagar war wirklich beeindruckend.

 

Stammsitz der Familie Tan

Das Anwesen einer Reederfamilie wurde 2006 von der National University of Singapore (NUS) erworben und in ein Museum umgewandelt. Eigene Fotos sind nur von außen erlaubt, aber das Buch „NUS Baba House – Architecture and Artefacts of a Straits Chinese Home“ gibt einen sehr guten Einblick und erklärt viele interessante Einzelheiten der Renovierung des Hauses im Jahr 2007. Nur nach Voranmeldung darf das Haus in Gruppen bis zu zehn Personen besichtigt werden. Unser Tourguide gehört selbst zu den Peranakans, musste aber zugeben, keine chinesische Schriftzeichen lesen zu können: „Ich wurde in einem Haus hier um die Ecke geboren. Meine Familie hat mich zu gut integriert, manchmal finde ich es schade.“

Die Vorbesitzer des Baba House waren sehr vermögend und die Lage des Hauses zwischen Chinatown und dem Hafen hat wohl einiges dazu beigetragen. Nach Übertreten der Eingangsschwelle findet man sich in der mit pompösen Holzsesseln und wertvollen Möbeln ausgestatteten Empfangshalle. So wurde dem Besucher von damals rasch klargemacht, dass er es nicht mit einer einfachen, armen Familie zu tun hat.

 

Ein heimlicher Blick auf den zukünftigen Ehemann

Shophäuser sind allgemein schmal, aber lang nach hinten angelegt. Die Türen sind eher Pforten und lassen den Wind zur Abkühlung durchs Haus streifen. Dazu hat jedes Haus einen offenen Bereich in der Mitte ohne Dachbedeckung. Hier fällt der Regen hinein und wird unten in einem großen Becken aufgefangen. Nicht nur hilfreich zur Klimatisierung des Hauses, sondern auch schön anzusehen.

Noch weiter hinten verbirgt sich die Küche und dann geht es weiter in das Obergeschoss. Hier gibt es nur zwei Schlafzimmer, obwohl bis zu zwölf Personen in dem Haus lebten. Geschlafen wurde auf dem Boden wo sich Platz geboten hat. Im Fußboden eines Raumes über den Eingangsbereich befinden sich kleine Löcher. Groß genug, dass die Töchter des Hauses sich ihre zukünftigen Ehemänner heimlich vorab ansehen konnten. Die jungen Männer wurden traditionell von den Eltern auserwählt und mussten diesen natürlich ihre Aufwartung machen. Ein Vetorecht hatten die Mädchen nicht, aber gucken wollte man schon.

Ein Part der Geschichte Singapurs, die viele Spuren hinterlassen hat

Obwohl nur ein Prozent der Bevölkerung zu den chinesischen Peranakans gehören, sind die Wurzeln und Gepflogenheiten jedem bekannt und es gibt außer dem Baba House noch viele andere Anlaufstellen und Museen zu dem Thema. Das Peranakan Museum in der Armenian Street ist leider bis 2020 wegen Renovierung geschlossen, aber jede andere Anlaufstelle wie der Emerald Hill an der Orchard Road, das Viertel Katong mit seiner Joo Chiat Road oder dem Katong Antique House von Peter Wee geben faszinierende Einblicke in diese zu recht erhaltene Kultur.

Baba House | 157 Neil Road | Singapore 088883

Dienstag bis Freitag 10 Uhr, Eintritt S$ 10

Tourbuchung unter Peatix.com

 

 




EUFF: 27 Europäische Filme in der National Gallery Singapore

Die alljährliche Medienkonferenz zum Europäischen Filmfestival stand heute an. Bereits zum 29. Mal läuft in diesem Jahr das European Union Film Festival (EUFF). Vom 10. bis zum 19. Mai werden in der National Gallery Singapore 27 zeitgenössische Filme gezeigt, die Europa in allen Facetten mit seiner Geschichte und Kultur repräsentieren. Eine Übersicht aller Filme gibt es auf www.euff.sg.

Als featured country eröffnet Rumänien in diesem Jahr das Festival mit dem Film Beside me. Die Geschichte handelt von mehreren Passagieren, die in einer U-Bahnstation eingesperrt sind. Einander fremd und auf unterschiedlichen Wegen unterwegs sowie mit unterschiedlichen Problemen belastet, rücken sie ungewollt einander näher. Beside me zeigt uns, dass auch Fremde Gemeinsamkeiten haben, die uns zusammenbringen. Eine Erkenntnis, der man sich im aktuellen „Vereinten Europa“ intensiv widmen sollte.

Bei der Medienpräsentation im Auditorium der National Gallery habe ich Diana Zahorte, Deputy chief of Mission von der rumänischen Botschaft getroffen und sie hat den Film natürlich schon gesehen: „Wir wollten einen Film mit einer positiven Story, der allen Zuschauern gefällt. Sie sollen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.“ Vierhundert Rumänen leben in Singapur und sicher wird der Großteil von ihnen am 10. und 12. Mai bei den Vorführungen dabei sein. Sie können sich auf ein Stückchen Heimat freuen, denn der Film ist mit bekannten rumänischen Darstellern besetzt. Als Schmankerl obendrauf hat Diana Zahorte heute verkündet, dass der Regisseur Tedy Necula bei der Eröffnungsfeier am 10. Mai in Singapur dabei sein wird.

Ganz so spektakulär wird es für die Deutschen in diesem Jahr nicht. Im vorletzten Jahr konnte Deutschland als featured country den Titeldarsteller von Tschick in Singapur begrüßen. Darauf folgte im letzten Jahr als Beitrag das Drama „Grüße aus Fukushima“ von Doris Dörrie und 2019 gehen die Deutschen mit der Komödie Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt an den Start. Als Techno-Road-Movie angekündigt, geht es um den Techno-Boom nach der deutschen Wiedervereinigung. Detlev Buck und Charly Hübner stehen auf der Besetzungsliste und damit ist für mich schon klar, dass ich am 17. Mai um 21 Uhr im Kino sitzen werde. Tickets gibt es unter sistic.com




Straßenkunst im hippen Tiong Bahru

Mal eben ein Graffiti sprühen ist in Singapur strengstens verboten, auch Deutsche wurden dafür schon mit Peitschenhieben bestraft. Doch Street Art ist erwünscht und gehört inzwischen zur Kultur dazu, allerdings nur mit Genehmigung und auf ausgewiesenen Plätzen.

Mein Interesse an dieser Kunstrichtung wurde geweckt, als im ArtScience Museum eine wunderbare Ausstellung über Street Art eröffnet wurde. Die internationalen Künstler haben eine große Bandbreite an Stilen präsentiert und nun schaue ich mich immer wieder um, was auf der Straße so alles zu finden ist. Mit der Sprühdosen-Kunst der 80er Jahre haben die Malereien auf den Wänden in verschiedenen Stadtvierteln nämlich nichts zu tun. Wirkliche Kunstwerke zeigen alte Traditionen und Gewohnheiten und es lohnt sich, bei einem Spaziergang genau darauf zu achten. Heute habe ich mich in Tiong Bahru auf die Pirsch gegeben und bin den Spuren des Singapurers Yip Yew Chong gefolgt.

Die bekannteste Wandszene ist wohl Bird Singing Corner in der Seng Poh Lane, Block 71. Kopi – also local coffee – schlürfend sitzen die uncles (wer das 40. Lebensjahr erreicht hat, muss damit leben von Jüngeren so genannt zu werden) unter ihren Vogelkäfigen. Vor Jahren war dieses noch ein normales reales Bild und ist unbestritten ein wichtiger historischer Bestandteil dieses Stadtteils: Die uncles haben ihre Vögel gemeinsam singen lassen, damit diese untereinander voneinander lernen. Es gibt noch heute einen anderen Platz etwas außerhalb, an denen richtige Sing-Wettkämpfe stattfinden.

Der Begriff “Home” hat in Tiong Bahru eine besondere Bedeutung, weil die Art-Déco-Bauten zu den ersten öffentlich geförderten Wohnhäusern gehören. Als Szene-Viertel hat der Stadtteil nun gegen die horrend steigenden Mieten zu kämpfen. Wer neu hierherziehen möchte, muss einiges an Miete auf den Tisch legen – wenn er sich den dann noch leisten kann. Für das Bild Home, zu finden Tiong Poh Road/Eu Chin Street, Block 74, hat Yip Yew Chong das Wohnzimmer seiner Kindheit nachgemalt. Auf seiner Webseite yipyc.com schreibt er, dass seine Familie im Jahr 1977 das erste Sofa und ein Telefon anschaffen konnte: „Das Sofa ersetzte die klapprigen Holzstühle und Hocker, die im Wohnzimmer verstreut waren.“ Chong ist kein hauptberuflicher Künstler aber seit seiner Kindheit ein passionierter Hobbymaler. Einen Beruf wollte er nie daraus machen. Der Wirtschaftsprüfer hat einen großen Teil seiner Kindheit auf den Straßen von Tiong Bahru verbracht und hat dabei bestimmt auch einen der vielen Wahrsager von damals getroffen.

Fortune Teller in der Eng Watt Street Block 73 bestand ursprünglich aus zwei Wandbildern, die während der Konzeptualisierung zu einem gemacht wurden. Der „Pasar“ (malaiisch für Markt) wurde mit dem „Fortune Teller“ kombiniert, um die Kosten zu senken. Den Wahrsager gab es wirklich und er saß neben dem Marktplatz, der einen wichtigen zentralen Punkt in Tiong Bahru darstellte.

Die Atmosphäre muss eine besondere im Tiong Bahru der vergangenen Zeit gewesen sein, die Ausläufer davon sind noch zu spüren. Natürlich gibt es die hippen Bars und teuren Geschäfte, aber wer nach einem Besuch des Wet Market sich die Zeit nimmt durch die Gassen zu streunern, einen Kopi auf der Straße trinkt, in einem der lokalen Restaurants isst oder seine Schrauben und Werkzeug in einem der alten Geschäfte kauft, der ahnt, wie es hier einmal gewesen sein muss.




Tekka Market in Little India

Little India ist ein Viertel mit ganz eigenem – eben indischen – Charakter. Wer keine Zeit für einen ausgiebigen Rundgang hat, sollte sich auf den Tekka Market konzentrieren. Unter einem Dach sind hier seit 1982 der Wet Market, ein Hawker Centre und ein großer Bereich für Kleidung und Stoffe vereinigt.

Wet Market Jede Sorte an Fleisch, zahlreiches asiatisches Gemüse sowie Fisch und Meeresfrüchte werden in der Markthalle im Erdgeschoss angeboten. Es ist empfehlenswert, den Einkauf morgens zu erledigen, denn ab mittags riecht es schon sehr unangenehm.

Ich habe bisher wenig dort eingekauft, denn es sieht alles zwar interessant, aber nicht einladend aus. Nur für Curry ist dieser Markt mein absolutes Muss, denn es ist einfach das beste.  Jedes Mal freue ich mich, wenn der Händler die unterschiedlichen Pulverfarben in die Tüte gibt. Einmal habe ich ihn gebeten, nicht zu schütteln, weil es so schön aussieht. War natürlich totaler Quatsch, zu Hause angekommen war es halt gelbes Curry.

 

Hawker Wie in allen Hawker Centern der Stadt, ist das Angebot auch hier nicht regional begrenzt. Neben indischen und anderen asiatischen Leckereien gibt es auch westliches Essen, aber wer will das schon? An der Schärfe der Gerichte ist leicht erkennbar, wo wir uns befinden. Ich bin immer wieder erstaunt, was „not spicy“ für Inder bedeutet. Jedenfalls habe ich immer eine Flasche Wasser und ein Tuch, um die Stirn abzuwischen, dabei.

 

Kleidung Wer einen Sari sein Eigen nennen möchte, ist im Obergeschoss am richtigen Platz. Dieses Traditionsgewand braucht man nur selten, es sei denn, man ist zu einem indischen Motto eingeladen. Aber die Auswahl ist so ansprechend, dass man unbedingt einen haben möchte. So geht es Hamburgern, wenn sie in Bayern ein Dirndl sehen. Am Elbstrand wird dann klar, was für eine Schnapsidee der Kauf war. In Singapur macht das Dirndl für Nordlichter allerdings absoluten Sinn!

Die Textil-Beratung im Tekka Market kann sehr unterhaltsam sein, aber nicht immer hilfreich. Wenn Knopf oder Reißverschluss sich schließen lassen, passt das Gewand. Unwichtig, wie breit, kurz oder lang der Schnitt ausgefallen ist: „You see, it’s perfect for you!“

Es gibt auch andere wunderschöne Kleider, Blusen und Anzüge, sowohl für Erwachsene wie auch für Kinder. Die Accessoires und Schuhe sind die reinste Glitzerpracht und die verspielten Haarspangen verlangen Mut und Selbstbewusstsein. Aber es macht einen heiden Spaß, durch die Gänge zu schlendern und sich alles anzugucken. Die Schneider sitzen konzentriert vor ihren ratternden Nähmaschinen und die Verkäuferinnen sind sehr hilfsbereit – wenn sie nicht gerade eine Nachricht auf ihrem Handy erhalten. Das hat absoluten Vorrang, ist aber überall sonst in der Stadt genauso.

 

Tekka Market, MRT Little India

 

 




Minimalism: Space. Light. Object.

Der Minimalismus war ein radikaler Wendepunkt in der Kunstgeschichte und gilt als Reaktion auf den abstrakten Expressionismus. Während bei Letzterem ein hohes Maß an Interpretation nötig ist, entstand im New York der 1960er Jahre der Minimalismus mit Reduzierung auf das Nötigste, um eine direkte Begegnung von Kunstobjekt und Betrachter zu schaffen. Das lässt trotzdem noch viel Platz für Eigeninterpretationen und das Motto von Frank Stella „What you see is what you see“ kann nicht bei allen Kunstwerken einfach umgesetzt werden.

Sunflower Seeds von Ai Weiwei

Ai Weiwei, der wohl bekannteste Künstler der Ausstellung, veweist mit seinem Werk auf die unzähligen Arbeiter, die in Massenproduktionen chinesische Billigware herstellen. Die Sunflower Seeds des gleichnamigen Werks von 2010 wurden in der Porzellanstadt Jingdezhen von Keramikhandwerkern hergestellt und sind jeder für sich einzigartig.

Milchstein von Wolfgang Laib

Bei dem Deutschen Wolfgang Laib und seinem Milchstein von 1980 geht es um Rituale und Meditation. Meditation, während in dem viereckigen Marmorstein eine Vertiefung geschliffen wird, um diese in einem täglichen Ritual mit neuer Milch zu füllen. Dadurch entsteht eine glänzende Oberfläche die Raum für Reflektionen schafft. Ob für Kunst wirklich täglich frische Lebensmittel verwendet werden sollen, muss jeder für sich selbst entscheiden, ich halte nichts davon.

Impenetrable von Mona Hatoum

Impenetrable von Mona Hatoum hat mir am besten von den mehr als 100 Ausstellungsstücken gefallen. Mit etwas Abstand wirkt die Installation, als würde sie zu sich einladen und man könnte in ihr spazieren gehen. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich die herabhängenden Stäbe jedoch als Stacheldraht. Mona Hatoum stellt so das Potential von Spannung und Gewalt im Alltag dar und dass man diese oft nicht auf den ersten Blick erkennen kann. Von der Message abgesehen, sieht die 27 m³ große Installation beeindruckend aus: als würde sie im Raum schweben.

 

Noch bis zum 14. April 2019 läuft die Ausstellung über Minimalismus in Singapur in zwei Museen: in der National Gallery und im ArtScience Museum.




Singapore Design Week: Hat Design Einfluss auf das Alltagsleben?

Die SDW2019, die im National Design Centre und an verschiedenen Standorten auf der ganzen Insel noch bis zum 17. März stattfindet, umfasst über 80 Programme von mehr als 70 Partnern mit Workshops, Vorträgen und Ausstellungen in den Kategorien Transform my Business, Empower my Community, Inspire my Everyday und Reimagine my Future. Wirtschaft und Politik wurden mit großen Designtalenten zusammengebracht, um Innovationen und Lösungen zu schaffen und so der Öffentlichkeit den Wert von Design nahezubringen.

Für einen ersten Eindruck des Festivals lohnt sich ein Besuch des National Design Centre. Hier präsentiert sich SingaPlural mit dem Slogan Unnatural Phenomena.

Die „unnatürlichen Phänomene“ sind ungewöhnliche Kollaborationen von Industrie und Kreativen, die Grenzen hinterfragen und neuartige Design-Arten entstehen lassen. Enjoy the Silence erkundet die Verbindung zwischen Form und Klang. Die Akustik-Firma AntiCad und das Designstudio Takahashilim A+D sind gemeinsam der Frage „Warum sind unsere Ohren so geformt, wie sie sind?“ nachgegangen. Damit sie Schwingungen in Töne modulieren können. Die skulpturale Akustikinstallation ist mit 3D-Drucker-Technologie entstanden. Mit komplexer Geometrie und schallabsorbierendem Material wurde eine „unnatürliche“ Ruhezone in lauter Umgebung geschaffen. Nützliches Design sozusagen.

In seiner Eröffnungsrede zur SDW2019 sprach Chee Hong Tat, Hoher Staatsminister im Ministerium für Handel & Industrie und im Bildungsministerium, im National Design Centre darüber, dass sich Design auf alle Aspekte des Lebens auswirkt: „Von alltäglichen Produkten über Geschäftsstrategien bis hin zu öffentlichen Richtlinien, überall spielt Design eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung, Stärkung und Inspiration von Einzelpersonen und Organisationen.“ Design geht uns also alle etwas an und wird auch von jedem genutzt.

IPSE IPSA IPSUM ist eine lokale Marke für Möbel und Accessoires, die sich an anspruchsvolle Eigenheimbesitzer richtet. Die beiden vorgestellten Kollektionen präsentieren eine Neuinterpretation von Mode und Nostalgie, inspiriert vom reichen Kulturerbe Singapurs. Aus alt mach neu – das funktioniert mit neuen Farben und Materialien wunderbar.

Die Mitmach-Installation AUTUMN versetzt den Besucher mit Hilfe einer VR-Brille in den virtuellen und goldenen Herbst. Unter dem Ventilator ist eine kühle Brise auf der Haut zu spüren. Während echte Windräder im Wind tanzen, ist durch die Brille warmes Sonnenlicht auf einer Waldlichtung zu sehen und das Material der kreisenden Windräder fühlt sich wie fallendes Laub an. Diese Installation ist ein Beispiel dafür, dass Kunst und Design Aktion benötigen. Man muss es ausprobieren, sonst sind es nur Windmühlen, die aneinandergeklebt sind.

In der Lobby des National Design Centre sind noch mehr Unnatural Phenomena zu bewundern, anzufassen und auszuprobieren, die Design Week Singapore 2019 läuft bis zum 17. März 2019.




Happy Lunar New Year!

Seit heute sind wir auch im chinesischen neuen Jahr angekommen. Den „Jahreswechsel haben wir in Chinatown verbracht, als Zuschauer der Live-Übertragung auf Channel 8. (Hier die ganze Sendung.)

Drei Stunden Show auf Chinesisch! Es war so bunt und lustig, dass die Zeit trotzdem wie im Flug vergangen ist. Ein paar Eindrücke habe ich gefilmt und zusammengeschnitten. Aber Vorsicht, das Feuerwerk zur Geistervertreibung ist echt laut. Ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger Geist sich in den nächsten Monaten nach Singapur wagt!




Jazzbrunch in der deutschen Residenz

Wenn die Jazzinstitution von Singapur, Jeremy Monteiro, aufspielt, dann ist es etwas Besonderes, dazu eingeladen zu sein. Der Musiker ist nicht oft in seiner Heimat anzutreffen, ständig treibt er sich irgendwo auf der Welt herum.

Am vergangenen Wochenende hat die deutsche Botschaft zu einem kleinen feinen Konzert eingeladen. Weil Jeremy sich auch der Nachwuchsförderung widmet, trat er mit zusammen mit jungen lokalen Künstlern auf und gab ein großartiges Konzert.

Ich erinnere mich immer gerne an die erste persönliche Begegnung mit Jeremy. Dirk und ich unterhielten uns bei einer Veranstaltung mit einer jungen Chinesin und ihrem Freund. Am selben Tisch stand ein Herr, der sich gerade seinem Teller mit Köstlichkeiten vom Büffet hingab. Die Chinesin erwähnte, dass er ein Musiker sei und „irgendwas mit Jazz“ mache. Ich würde hellhörig und fragte, ob es Jeremy Monteiro sei. Sie meinte nur lapidar: „I don‘t know his name, I don‘t think so.“ Dann kam ich mit dem Herrn ins Gespräch und er stellte sich vor: „I‘m Jeremy.“ … Bang! Ich erzählte ihm, dass ich ein Interview mit ihm angefragt hätte, er aber wohl schwer zu erreichen sei. Er lachte und schrieb seine Mail-Adresse + Telefonnummer auf eine Serviette. Diese Serviette hängt noch heute an meinem Kühlschrank!

Umso schöner, ihn im kleinen Kreise live spielen zu hören. Im April findet wieder das Jazzfestival „Singjazz“ statt, bei dem Jeremy Monteiro natürlich seinen festen Platz hat. Ich muss gleich mal ein Interview anfragen …

 




Helmut Newton ein schlechter Fotograf?

Dass Helmut Neustädter vor seinem ruhmreichen Fotografenleben als Helmut Newton aus Nazideutschland flüchten musste ist bekannt, die genaueren Umstände aber weniger. Vor seiner Internierung in Tatura, Australien führte er nämlich ein recht buntes Leben in Singapur, wenn auch nicht lang.

Ende 1938 erreichte der gerade mal 18-jährige Berliner die malaiische Halbinsel und musste dringend Geld verdienen. Seine zahlreichen Geliebten (angeblich amüsierte er sich bereits während der Überfahrt auf dem Schiff mit den verheirateten Frauen) fütterten den talentierten Fotografen zwar durch, trotzdem heuerte er bei der noch heute existierenden Tageszeitung „The Straits Times“ an. Die ihn jedoch nach nur zwei Wochen wegen Unfähigkeit wieder feuerte. Er gab später selbst zu, nicht ein einziges verwendbares Foto abgeliefert zu haben.

Gesellschaftsfotografie war wohl nicht seine „Cup of Tea“, denn in der britischen Kolonie hat er lieber als Gast denn als Fotograf an Feierlichkeiten teilgenommen. Er eröffnete ein eigenes Fotostudio und konnte sich bald ruhig zurücklehnen, spätestens nachdem der Sultan von Johor ihn beauftragte, seinen Söhnen das Fotografieren beizubringen. Das war der Durchbruch.

Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stoppte das angenehme Künstlerleben abrupt. Noch im Januar 1940 wurde Helmut Neustaedter als erfolgreicher Flüchtling in der Straits Times erwähnt, aber bereits im September desselben Jahres fand er sich mit 250 anderen Deutschen und Österreichern als „Enemy Alien“ auf dem Schiff Queen Mary wieder. Bewirtet mit Cocktails und guten Speisen auf dem Weg nach Australien, wo er interniert wurde. Er diente fünf Jahre in der Australia Army als LKW-Fahrer, übernahm 1945 ein Fotostudio in Melbourne und nahm 1946 die australische Staatsbürgerschaft an. Helmut Newton wurde für ein paar Jahre sesshaft, bevor er weiter durch die Welt zog. Er wurde berühmt für seine Portraits und Aktfotos und lebte in mehreren Ländern, doch Singapur spielte keine weitere Rolle mehr im Leben des außergewöhnlichen und seine Zunft prägenden Fotografen. 2004 starb Helmut Newton nach einem Autounfall in Los Angeles.

Mehr zu europäischen Flüchtlingen in Singapur zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs gibt es in der aktuellen Impulse www.impulse.org.sg




Nichts für Zartbesaitete: Thaipusam

Spieße in den Körper und durch die Zunge gestochen, Gewichte von bis zu 40 Kilogramm an der Haut und das alles noch kilometerweit tragen. Ein irres Spektakel zu Thaipusam, dem Hindu-Fest der Tamilen.

Am Tag des Vollmonds im tamilischen Monat „Thai“ wird dem Gott Murugan gedacht, der den Dämon Soorapadman besiegen konnte – und damit das Böse und jegliche Schmerzempfindung.

Das Fest wird in Indien, Malaysia und Singapur zelebriert und beginnt am Vorabend des eigentlichen Tages: Eine Prozession bringt die Büste von Lord Murugan vom Sri Thendayuthapani Tempel in der Tank Road zum Layan Sithi Vinayagar Tempel in der Keong Siak Road, damit diese zu einer Büste seines Bruders gestellt wird, sozusagen ein alljährlicher Besuch.

In den frühen Morgenstunden beginnt die eigentliche Zeremonie und dauert bis zum Sonnenuntergang an. Die Gläubigen tragen Milchtöpfe und Kavadi (tamilisch für „Opfer bringen mit jedem Schritt“), ähnlich wie halbrunde Altäre. Diese können bis zu 40 Kilogramm schwer sein, sind aufwändig mit Pfauenfedern, Blumen und goldenen Elementen geschmückt und werden von einem Tempel zum anderen getragen. Auf diesem 4,5 Kilometer langen Weg werden sie von Angehörigen zur Unterstützung begleitet. In Trance lassen sich die Gläubigen vor ihrem Marsch piercen, wobei lange Nadeln und Speere durch Haut und Lippen gestochen werden. Einige ziehen zusätzlich Wagen hinter sich her, die lediglich mit Nadeln an der Haut befestigt sind.

Man fragt sich, wie verrückt die Leute sein müssen. Auch wenn mit diesem Opfer die Erlangung von Glückseligkeit versprochen wird. 48 Tage zuvor beginnen die Prozession-Teilnehmer ihre spirituelle Vorbereitung mit einer vegetarischen Diät und leben abstinent, also komplett lasterlos, um die Tortur ohne Schmerzen zu überstehen.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Prozedur wirklich schmerzlos ist, aber es war kein Tropfen Blut zu sehen und die Gläubigen waren unglaublich konzentriert, kontrolliert und still. Großes Geschrei und anfeuernder Gesang sind nur von den Helfern zu hören, wenn eine Nadel durch die Haut gebohrt wird. Indische Musik und lautes Getrommel begleiten die Vorbereitungen und der Geruch der vielen Räucherstäbchen versetzt den einen oder anderen Anfänger schon allein in Trance. Für die anwesenden Inder war das alles ganz normal, die Nicht-Hindus waren fasziniert von den fremden Bräuchen, ich auch. Aber ich muss zugeben, immer im richtigen Moment woanders hingesehen zu haben.