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„German Contemporary Excellence“ von MEISTERKREIS

Wenn Industrie und Kunst zusammenkommen und bei der Kunst Jim Rakete federführend ist, dann entsteht etwas Besonderes.

Ich habe etwas gebraucht, um den Hintergrund der Ausstellung „German Contemporary Excellence“ von MEISTERKREIS zu verstehen. Das Projekt gibt den Besten aus den unterschiedlichsten Branchen die Möglichkeit, sich gemeinsam und doch individuell darzustellen. Der MEISTERKREIS ist ein Zusammenschluss in Deutschland tätiger Unternehmen mit über 70 Mitgliedern, die für höchste Qualität stehen. Jeder einzelne besitzt ein enormes Kapital an Kreativität, die letztendlich für wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftliche Entwicklung nötig ist.

Der Fotograf Jim Rakete reiste ein Jahr lang durch Deutschland, um teilnehmende Unternehmen visuell zu porträtieren. Die Motive waren dabei sehr unterschiedlich: Produkt, Produktion oder Designer – oder auch alles zusammen in einem Bild. Die Gemeinsamkeit aller Kunstwerke sind die Handschrift Raketes: Seine Bilder sind festgehaltene Momente, die zum längeren Hinschauen einladen und den Betrachter verweilen lassen.

Zu jeder Schwarz-Weiß-Fotografie gehört auch eine Geschichte. Namhafte Künstler und Autoren haben jeweils ein Unternehmen besucht und erklären in ihren Texten auf eine ganz eigene Art, was sie gesehen, gedacht und empfunden haben.  Daraus ist ein Coffee-Table-Buch entstanden, das nicht nur hübsch herumliegt, sondern in dem richtig geschmökert werden kann. Ich durfte eines mitnehmen und blättere gerne darin herum.

Platt gesagt ist das Konzept eine perfekte Werbefläche von Produkten „Made in Germany“. Doch wenn dabei solch eine Kunstausstellung und dazu ein wunderschönes Buch entsteht, soll es mir absolut recht sein. Unterstützt vom Auswärtigen Amt reist die sehr schlicht und modern designte Ausstellung derzeit um die Welt, um mit lokalen Unternehmern ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Projekte anzustoßen. Meisterkreisgründer Clemens Pflanz sucht dabei vornehmlich den Dialog für den Mittelstand: „Tradition schließt Avantgarde nicht aus. Fotografie ist Kunst – und Kunst bedeutet Lifestyle. Zum Lifestyle gehören auch viele der Produkte im Meisterkreis.“ Hört sich doch nach Kunst für jedermann an!




Katrin Göring-Eckardt und Renate Künast in Singapur

 

Klar habe ich die Einladung angenommen, die beiden in die City Gallery zu begleiten. Ganz nah dran an den Politikerinnen der Grünen.

Die eine am Abend zuvor gelandet, die andere am selben Morgen angekommen – ein bisschen haben sie mir schon leidgetan. Ihnen war warm, dann wieder zu kalt (Klimaanlagen sind herrlich, können aber auch schockfrosten). Bei Müdigkeit durch Jetlag eine Qual. Nach einem Besuch bei Siemens zur Vorstellung der Digitalisierungsstrategien vor Ort, fand unser erstes Treffen auf Einladung der AHK Singapur zum Mittagessen statt. Nicht nur mit mir, da waren noch ungefähr 70 andere Mitglieder der DeutschSingapurischen Industrie- und Handelskammer dabei. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und Renate Künast, Vorsitzende der Parlamentariergruppe ASEAN, gaben einen Einblick über die aktuelle politische Arbeit und Umgangsform in Deutschland und deren Wandlung, seit die neuen Bundestagsmitglieder aus der scharf rechten Fraktion mitmischen.

Eigentlich ging es aber mehr um Themen wie Digitalisierung und daraus resultierend Deutschland als Exportland. Hier in Asien ist man ja der Meinung, dass die weltweite Bedeutung in Deutschland noch nicht angekommen sei und man bangt mittlerweile sehr, in der Exportrangliste weiter nach unten zu fallen. Gerade, weil auch zu beobachten ist, dass sich die eine oder andere Delegation nach Asien bemüht, um dann ein „da müssen wir wohl nachholen“ zu den obligatorischen Essstäbchen, dem grünen Tee und anderen Erinnerungsstücken ins Gepäck zu legen.

Nach dem Lunch folgte der Besuch in der City Gallery. Die beiden Bundestagsabgeordneten der Grünen haben sich am vorgestellten Stadtmodell sehr für die geplanten Fahrradwege und Wasserreservoirs interessiert – gehört ja auch zu ihren Aufgaben. Ich bin mir nicht sicher, ob unserem Besuch aus Berlin klar war, woher das aufbereitete Trinkwasser aus ihrem Hotelhahn stammt – ist auch besser so.

Um alle geplanten Themen der Reise abzudecken, fanden an diesem straff organisiertem Tag noch Informationstermine beim Lee Kuan Yew Centre über Smart Citys, beim Housing and Development Board zum sozialem Wohnungsbau und bei der Land Transport Authority zum Thema „Autonomes Fahren“ statt.

 

 

 




Brasilianisch bei den Spaniern in Singapur

 

Wer networken kann, hat gute Chance erfolgreich zu sein.  In Singapur gibt es eine Menge B2B-Events, bei denen neue Kontakte geknüpft werden. Das spanische Unternehmen Cosentino nutzt diese Vorliebe, um regelmäßig seine Produkte vorzustellen und gleichzeitig Branchenkollegen kennenzulernen und zu verbinden.

Cosentino stellt hochwertige Oberflächen für die Welt des Designs und der Architektur her und vertreibt diese weltweit. Eine Menge Innendesigner tummelten sich im Showroom in der Duxton Road um Inspirationen für die zukünftigen Küchen und Bäder ihrer Kunden zu sammeln. Dabei habe ich erfahren, dass ungefähr 70% der Singapurer einen Innendesigner mit der Ausstattung ihres Eigenheims beauftragen. Und zwar nicht, weil es schick ist, sondern weil meist beide Partner arbeiten (alleine wohnt in Singapur kaum jemand, da bleibt man lieber bei Mama und der eingearbeiteten Helperin) und schlicht keine Zeit für die Einrichtung haben. Dabei ist der zur Verfügung stehende Etat unerheblich, es wird für Villen genauso wie für Condo-Appartements, Shop-Häuser oder HDB-Wohnungen beauftragt.

Cosentinos Natursteine passen in jede Art von Wohnung, es wurden sieben neue Farben vorgestellt; die fünf neuen Farben der Silestone® Eternal Collection heißen Bianco Calacatta, Classic Calacatta, Desert Silver, Eternal Emperador, and Eternal Marfil.
In die Sensa by Cosentino® Protected Natural Stone range wurden erstmals brasilianische Sandsteine in den Farben Taj Mahal und Weiß Macaubas aufgenommen. Damit habe ich dann auch das Thema „Brazilian Summernight“ und den Auftritt der Sambatänzerinnen verstanden.

Ein Abend, an dem ich mal aus dem „Expat-Bubble“ herausgekommen bin. Der Innendesigner hat mir Fotos einer indischen Hochzeit gezeigt, die er ausgestattet hat. Bunt ist nix dagegen! Ein Steinhändler, der in Johor Bahru lebt hat mir erzählt, dass er täglich pendelt und pro Strecke ein bis drei Stunden braucht – aber dort kann er sich ein eigenes Condo-Appartement leisten.  Immer wieder bekam ich zu hören, man sei sich schon begegnet, aber ich habe das Gefühl, dass sie einfach eine blonde große Frau gesehen haben … Ging mir am Anfang andersherum genauso und es hat gedauert, bis ich die asiatischen Gesichtszüge unterscheiden und wiedererkennen konnte. Es war bunt, erfrischend und lehrreich – ich komme wieder!




Ein Abend mit Fliege

Das ständige Flipflop-Wetter ist nach wie vor traumhaft für mich. Geschlossene Schuhe versuche ich zu vermeiden und Hosen zu tragen ist eine Qual. Da muss man sich schon zusammenreißen, nicht ständig im Urlaubsoutfit herumzulaufen.

Umso schöner sind die Gelegenheiten, sich mal wieder richtig herauszuputzen. Wie zum Beispiel zum Galadinner der SwissCham im One Farrer Hotel. Endlich wieder ein Grund, neue Schuhe aus Deutschland mitzubringen. (An die Frauen, die auf großem Fuß leben: Ab Größe 40 wird es schwierig in Singapur!) Silberne 8 cm-Sandalen sind es geworden, denn der Dresscode hieß „Black Tie”. Den Smoking haben wir dabei vernachlässigt, aber die schwarze Fliege durfte mit dem roten Abendkleid den Kleiderschrank verlassen und groß ausgehen.

Es wurde ein sehr schöner und feierlicher Abend bei der Schweizer Handelskammer mit phantastischem Essen und netten neuen Kontakten.

Der Höhepunkt der Gala war die Vergabe des „Excellence in People and Skills Development-Awards“ an Marché Mövenpick.

Ein interessanter Abend unter Schweizern und mal wieder waren wir überrascht, wie viele Leute wir in Singapur schon kennengelernt haben. Beim Herumschlendern sind uns viele bekannte Gesichter über den Weg gelaufen und die Zeit war viel zu kurz, um mit allen zu reden.

Zu später Stunde fand sich Dirks Team von BearingPoint auf der Tanzfläche und rockte durch die Nacht – super Truppe!




Speeddating bei Bosch Singapore

Bisher hatte ich bei dem Namen Bosch Küchengeräte oder meine Bohrmaschine vor Augen, aber das hat sich heute geändert. Nun weiß ich, dass zum Beispiel in fast 50 % aller Smartphones Sensoren von Bosch eingebaut sind und wie Autofahrer für Fremde Parkplätze finden.

Bosch Southeast Asia hat zum Financial Update 2018 ins Hauptquartier nach Bishan geladen. Seit 1995 befindet sich das Headquarter Southeast Asia in Singapur, aber bereits seit 1923 erobert das Stuttgarter Unternehmen den südostasiatischen Markt.

Und das ist gar nicht so einfach. In Myanmar zum Beispiel sind Waschmaschinen heiß begehrt, aber die teuren Geräte mit allem möglichen Schnickschnack kann sich dort kaum jemand leisten: „Da stehen wir dann mit unseren großartigen Entwicklungen, aber gefragt sind die einfachen Geräte”, erklärt mir der Director of Business Development ASEAN, Jochen Lorenz. Außerdem ist in vielen Gegenden noch kein stabiles Stromnetz vorhanden. So ist das Unternehmen auch an der Planung von Stromleitungen in unterentwickelten Regionen beteiligt.

Das ist der interessante Unterschied zum europäischen Markt: Die kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten sind in Asien weitaus vielschichtiger, die Entwicklung in den einzelnen Ländern befindet sich auf wechselnden Leveln. Es gibt nicht die eine funktionierende Strategie, die für alle Länder passt. Nach dem 10-minütigen Gespräch mit Jochen Lorenz wechsle ich an den nächsten Tisch, denn diese Pressekonferenz ist ein Speeddating. Vier Stationen, jeweils 10 Minuten Zeit. Als nächstes treffe ich Amine Kamel.

„Woher stammt Ihr der Name?“

„Ich komme aus Tunesien.“

„Wie viele Tunesier leben in Singapur?“

„Drei.”

Ich habe es nicht nachgeprüft, glaube ihm aber. Die Gespräche fanden alle auf Englisch statt, das war thematisch nicht ohne: Financial Update und dann noch technische Erklärungen. Ich beschwere mich ja oft, dass ich hier viel zu viel Deutsch spreche und mit meinen Englischkenntnissen nicht vorankomme, aber es ging sehr gut. Man bekommt doch mehr mit, als man denkt.

Amine Kamel ist mit seinem Titel „Regional Head Automotive Electronics Division“ für smart solutions in der Automobilelektronik zuständig. Nachdem er mir erklärte, wie fremde Autos mit Hilfe von Sensoren die freien Parklücken in meiner Umgebung anzeigen, habe ich gefragt, ob ähnliches auch für E-Scooter möglich sei. Ich roller ja begeistert und zeitsparend mit meinem Elektroroller durch die Gegend, finde aber oft keine Möglichkeit, diesen anzuschließen. Das Thema wurde interessiert aufgenommen, aber meine Gesprächszeit war mal wieder um und ich musste an den nächsten Tisch. Hier erwarteten mich der Regional President, Thomas Jakob und Michael Goh, Director of Sales zum Thema smart connected solutions. Allmählich brummte mein Kopf wegen der Menge an Input, aber wie ich erfahren habe, gibt es für ziemlich alles eine App um das Leben zu vereinfachen – Industrie 4.0 ist nur ein Schlagwort dazu und mal wieder kommen die Sensoren ins Spiel.

Für all diese Weiterentwicklungen werden immer mehr Fachkräfte gebraucht, womit der Markt nicht zu reich bestückt ist. Darum werden Schulungen abgehalten, Weiterbildungen angeboten und man setzt auf das Mentoren-System, erzählt mir Jane Tham, Director of Human Resources. Jeder Mitarbeiter bekommt einen „alten Hasen” zugeteilt, der jederzeit bei Fragen und zur Unterstützung bereitsteht.

Das Financial Update wurde nur kurz am Anfang präsentiert und geriet immer mehr in den Hintergrund. Mir wird bei den hohen Summen immer etwas schwindelig, aber nun weiß ich auch, dass eine Menge dahintersteckt und freue mich auf meine „Hier-kannst-Du-Deinen-Roller-anschließen-App“!




Visitenkarten

Als Freiberufler hatte ich schon immer Visitenkarten bei mir. Beruflich brauchte ich die öfters, privat aber eher seltener. In Singapur und auch im Rest von Asien ist man ohne diese Kärtchen allerdings überhaupt nicht existent.

Auch wer gerade keinem Job nachgeht und somit keine business card hat, lässt sich eine name card machen. Unterschiedliche Bezeichnungen, aber dieselbe Sache: kleine Karte mit Kontaktdaten.

Lernt man jemanden neu kennen, wird das Kärtchen schnell überreicht, und zwar immer mit beiden Händen. Das führt manchmal zu eigenartigen Situationen, denn wenn beide Beteiligten gleichzeitig alle Hände voll mit ihrer eigenen Karte zu tun haben, ist es schwierig, die andere anzunehmen…

Wenn das dann überstanden ist, bitte nicht gleich einstecken! Draufschauen, durchlesen und eine freundliche Bemerkung machen. Entweder man kennt die Firma, hat den Namen des Gegenübers schon einmal gehört oder wenn einem gar nichts einfällt, kann auch das Design der Karte positiv erwähnt werden. Danach bleibt die Visitenkarte während des Gesprächs sichtbar liegen. Das ist auch für diejenigen von Vorteil, die sich keine Namen merken können. Auf keinen Fall sollten Notizen darauf gemacht werden, das wird als sehr unhöflich angesehen.

Normalerweise hat jeder solche Karten bei sich, aber manchmal heißt es auch, dass diese gerade ausgegangen seien. Dafür gibt es zwei Erklärungen:

  1. Es stimmt
  2. Der Gesprächspartner möchte seine Daten nicht weitergeben

Bei 2. ist es dann leider so. Für die Asiaten ist das eine angenehme Umgehung des „Nein-Sagens“, denn in ihrer Kultur wird ungern etwas abgewiesen oder verneint. Dafür wurden viele Schlupflöcher wie auch dieses erarbeitet.

Bei Erklärung 1 ist man darauf angewiesen, dass sich der andere meldet. Tut er das nicht, findet wieder Erklärung 2 ihre Gültigkeit.

Ich hebe jede erhaltene Visitenkarte auf und habe mittlerweile eine eigene Schublade dafür. Es kommt gar nicht so selten vor, dass eine Visitenkarte erst Monate nach dem Erhalt doch benötigt wird. Man trifft sich bekanntlicherweise ja immer zweimal im Leben.




Christmas-B2B im German Centre Singapore

Mehrmals im Jahr findet das Business-B2B im German Centre statt. Der richtige Ort, um neue Kontakte zu knüpfen, denn die Veranstaltung ist immer gut besucht und eine Menge Leute sind dabei, um in netter Atmosphäre bei einem Drink ihre Visitenkarten zu verteilen.

Diese Name Cards sind wahnsinnig wichtig in Singapur und in ganz Asien. Selbst wer keinen Job hat, sollte immer seine Kontaktdaten gedruckt bei sich haben. Auch im privaten Bereich ist das absolut gängig. Ich habe nach den 15 Monaten hier bereits eine stattliche Sammlung zusammen und diese aufzuheben hat sich schon mehrmals als sehr nützlich erwiesen.

Aber zurück zum B2B, denn es ist ganz einfach: Man geht an einen der vielen Stehtische, stellt sich den Leuten dort vor, überreicht seine Name Card und das Gespräch ergibt sich von allein. Ist ein gemeinsames geschäftliches Interesse gegeben, bleibt man länger beisammen, wenn nicht, ist eine baldige Verabschiedung absolut in Ordnung. Ist man sich sympathisch, klönt man trotzdem länger und hat eine gute Zeit. Man kann also nur gewinnen. Ich habe so schon viele interessante Menschen kennengelernt und nette Abende gehabt.

Im German Centre stehen diese Events immer unter einem bestimmten Motto. Im Dezember war es selbstverständlich eine Christmas Party und weil man auch eine Menge Bekannte trifft, ist es ein sehr bunter und lustiger Abend geworden.

Das B2B findet mehrmals im Jahr statt und die Teilnahme beim Lucky Draw geht übrigens nur mit der – richtig – Visitenkarte!

Unter www.germancentre.sg/de gibt es weitere Infos und Bilder.




Mein Treffen mit dem neuen Botschafter

Heute Morgen fuhren mein Roller und ich zum Raffles Place. Dieser Platz ist nicht nur das Herzstück des Financial District, sondern hier hat auch die Deutsche Botschaft ihren Sitz. Beim letzten Besuch habe ich meinen neuen Pass abgeholt, aber heute ist der Grund etwas spannender. Ich habe einen Termin mit dem neuen Deutschen Botschafter Dr. Sante.

Kurz nachdem ich im Warteraum Platz genommen habe, erscheint der neue Chef der 12. Etage im Singapore Land Tower höchst persönlich, um mich abzuholen und in sein Büro zu führen.

Dort sieht es noch relativ leer aus, denn Dr. Sante ist erst seit zwei Wochen im Lande. Aber eine Kaffeemaschine steht schon auf der Fensterbank, nur leider funktioniert sie nicht richtig, wie wir feststellen müssen.

Während des Gesprächs zeigt sich aber, wie unwichtig das ist. Der ehemalige Jura- und Kunstgeschichtestudent (ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, welches Studium er abgeschlossen hat, jedenfalls hat er den Doktor nicht in Malerei geschrieben), zeigt sich in allen angesprochenen Themen sehr informiert und eloquent. Das Gespräch verläuft humorvoll und die Zeit vergeht wahnsinnig schnell. Zwischendurch muss ich mich selbst an die Interviewfragen erinnern, die vor mir liegen. Ich bin ja nicht privat eingeladen, sondern führe ein Interview für das Magazin Impulse. Und irgendwie kommt er inhaltlich immer auf die Sicherheitspolitik zurück, dem thematischen Bereich, in dem er seit Jahren zu Hause ist, zuletzt als Stellvertreter des Ständigen Vertreters Deutschlands bei der NATO in Brüssel.

Die Fotos zum Artikel gestalten sich wesentlich schwieriger als das Gespräch, weil der Raum noch etwas karg wirkt. Also machen wir doch die obligatorischen Bilder am Schreibtisch – natürlich mit dem Telefonhörer in der Hand. Wenn schon klassisch, dann auch richtig. Ein gemeinsames Foto wollte ich natürlich auch und dafür musste erstmal jemand dazu geholt werden. Das war dann kurioser Weise mein Vor-vor-vor-vorgänger bei Impulse, der heute bei der Botschaft in der Presseabteilung arbeitet.

Nach anderthalb kurzweiligen Stunden bringt der Aufzug mich wieder auf den Boden des Raffles Place zurück und ich kann in meinem Tagebuch vermerken, einen sehr netten, interessanten und humorvollen Menschen kennengelernt zu haben, der das Bild Deutschlands in Singapur gewiss weiter nach vorn pushen wird. Das Zeug und die Persönlichkeit dazu hat er alle mal.




All the Best Mr. Botschafter

Zum Ende des Schuljahres häufen sich die Abschiede. Mehrere davon habe ich in den letzten Wochen hinter mich gebracht und immer ist es traurig. Nun verlässt uns auch der deutsche Botschafter in Singapur, Dr. Michael Witter, nach drei Jahren Amtszeit.

Ich erinnere mich noch an unsere erste Begegnung im letzten Jahr. Der Empfang zu dem ich eingeladen war, wurde eine Stunde nach hinten verlegt, aber diese Nachricht hat mich nicht erreicht. Die Security hat mich in den Salon geschickt und da stand ich nun – alleine. Mein Mann konnte erst später nach einem anderen Termin dazu kommen. Nur Hund Winston kam angetrollt und legte mir seinen Wurfring vor meine in High Heels steckenden Füße. Also haben wir gespielt und als seine Exzellenz die Treppe herunterkam, fand er mich auf dem Boden mit dem Hund raufend vor. Nach der ersten Überraschung begrüßte er mich, holte seine Frau dazu und da die anderen Gäste ja erst später erschienen, durfte ich eine dreiviertelte Stunde alleine mit den beiden verbringen. Das war ein besonderes Kennenlernen und wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Oft sind wir uns danach immer wieder über den Weg gelaufen und nun hat der letzte Anlass stattgefunden, die Farewell-Party für Frau und Herrn Witter. Der Grund der Feier wurde einfach ignoriert und es wurde sehr spaßig. Kurzweilige Reden, leckeres Essen und eine volle Hütte – die Stimmung war bestens.

Vielen Dank für Ihre Zeit Exzellenz, machen Sie es gut und genießen Sie den Ruhestand in Berlin!




Empfang beim ZDF

In einer Stadt, die von so vielen Expats bevölkert wird, herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Nun gab es auch einen Wechsel im ZDF-Büro Singapur. Peter Kunz wurde nach 13 Jahren von Normen Odenthal abgelöst. Nun wurde der neue Studioleiter vorgestellt.
Das Bürogebäude, in dem das ZDF seine Räume hat, bietet für kleine Anlässe die passende Location. Von außen ähnelt das Parkview Square einem New Yorker Wolkenkratzer im Art Deco-Stil aus den 30er Jahren, ist aber noch relativ neu und wurde 2002 eröffnet. Der Anblick ist außen wie innen wirklich imposant. Ich musste mich immer wieder umschauen um all die Malereien und Skulpturen anzusehen. Die Lobby ähnelt der Empfangshalle eines Luxushotels und in der Mitte findet sich die “Atlasbar”. In dieser tollen Umgebung durfte ich dabei sein, als vor ein paar Tagen zu Ehren “des Neuen” ein Empfang gegeben wurde, wofür auch der Chefredakteur aus Mainz angereist kam. Außerdem war das gesamte singapurische Korrespondentennetz der deutschen Medien anwesend. Ich mag solche Veranstaltungen, denn nach dem ersten halben Jahr in Singapur habe ich so viele Menschen kennengelernt, dass ich schnell bekannte Gesichter entdecke und nicht das Gefühl habe, als Neue in der Ecke zu stehen.

Events solcher Art sind hier auch immer genau durchgeplant. Diese Einladung war zum Beispiel für 17-19 Uhr ausgesprochen. Das bedeutet, dass alle Gäste pünktlich um 17 Uhr auf der Matte stehen und um 19 Uhr auch unaufgefordert wieder gehen. Alles schön absehbar.

Aber die Atlasbar werde ich wieder besuchen um mir dann nochmal alles in Ruhe anzusehen.

Parkview Square 600 North Bridge Road Singapore 188778